Museum Ulm
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Aktuelles

Rückgabe von Kulturgut durch die Monuments Men and Women Foundation

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet die US-amerikanische Monuments Men and Women Foundation mit Sitz in Dallas/Texas, an der Rückführung von Kunstwerken und kulturgeschichtlich wertvollen Objekten: Ganz im Sinn der berühmten „Monuments Men and Women“ des Zweiten Weltkriegs spürt die non-for-profit Organisation verschollene Kunstwerke auf und vermittelt ihre Rückgabe. Manchmal reichen die verfügbaren Informationen nicht aus, um den genauen Eigentümer zu ermitteln.

Ein anonymes Päckchen mit neun historischen Münzen und ein unsignierter Brief an die Monuments Men and Women Foundation standen am Beginn des Kontakts zwischen der Foundation und dem Museum Ulm: Der Schreiber des Briefs, ein amerikanischer Veteran des Zweiten Weltkriegs, erhielt die Münzen kurz nach dem Krieg von einem Kameraden. Dieser hatte 1945 in einem deutschen Museum eine Vitrine eingeschlagen und die Stücke, darunter zwei Silbertaler von 1643 und 1716, an sich genommen. Der anonyme Briefschreiber ließ die Münzen zu Kettenanhängern umarbeiten. In seinem Gedächtnis blieb ein Ortsname, den der frühere Kamerad genannt haben soll: Ulm.

Inzwischen betrachtet der anonyme Veteran die Geschichte mit anderen Augen: „The coins properly belong to the people of the town from which they were taken, presumably Ulm. They are another casualty of World War II. Hopefully their return after sixty years, and the story of what happened to them, will make some small amends.“

Nachweislich als Tauschobjekt gelangte hingegen eine volkstümliche Holzskulptur in die USA, die den Ulmer Erfinder und Flugpionier Albrecht Ludwig Berblinger darstellt. Sie wurde von Leutnant James „Jim“ K. Kunkle, der heute 99 Jahre alt ist, mit in seine Heimat gebracht. Leutnant Kunkle war Pilot der P-38 und P-51 der 401st Fighter Squadron, die 36 Kampfeinsätze in Deutschland und in den Ardennen absolvierte. Für seine militärischen Verdienste wurde er mit dem Distinguished Service Cross ausgezeichnet.

Während der Nachkriegsbesetzung Deutschlands lebte Kunkle in Ramersdorf im Großraum München. Die Skulptur wurde von einer unbekannten Frau in Stoff eingewickelt in sein Haus gebracht, um sie gegen Zigarettenpäckchen zu tauschen. „Wir sind froh, dass diese Skulptur, die als Kriegsandenken in die Vereinigten Staaten gebracht wurde, nun wieder in dem Land ist, in das sie gehört“, so Leutnant Kunkle und seine Frau Ruth. „Wir möchten der Monuments Men and Women Foundation für die Zusammenarbeit mit unserer Familie und vielen anderen Familien von Veteranen des Zweiten Weltkriegs danken“.

„Wir sind Familie Kunkle und dem anonymen Veteranen, der uns die Münzen geschickt hat, dankbar, dass sie als Treuhänder dieser Kulturgüter fungierten und mit der Monuments Men and Women Foundation zusammenarbeiteten, um einen Weg zu finden, sie nach Deutschland zurückzuführen“, sagte Stiftungspräsidentin Anna Bottinelli. „Ulm hat im Zweiten Weltkrieg unvorstellbare Verluste erlitten. Heute aber zeigen wir, mit einer kleinen, aber nicht unwichtigen Geste, den guten Willen der Nationen zur Versöhnung, indem wir diese Werke, die Deutschland während des Kriegs genommen wurden, zurückführen.“

Auch das Museum Ulm hat in der Zeit vor und nach Kriegsende Bestände verloren: Viele Exponate wurden zum Schutz ins Umland ausgelagert, aber nicht alle kehrten nach dem Krieg ins Museumsgebäude zurück. Andere Werke verblieben in Ulm und wurden während der Bombardierungen beschädigt oder zerstört. Bis heute sind nicht alle Verluste erfasst: Ob die neun historischen Münzen tatsächlich aus den städtischen Ulmer Sammlungen stammen, lässt sich heute wegen der schlechten Erfassungslage weder belegen noch dementieren. Dennoch ist es dem Museum Ulm ein Anliegen und eine Freude, durch die Übernahme der Objekte die wertvolle Arbeit der Monuments Men and Women Foundation zu unterstützen und ihren verdienstvollen Beitrag zum Erhalt kultureller Identität greifbar zu machen.

Die Monuments Men and Women Foundation  ehrt das Vermächtnis der historischen „Monuments Men and Women“ des 2. Weltkriegs und ihre beispiellose und heldenhafte Arbeit zum Schutz und zur Bewahrung der wichtigsten Kunst- und Kulturschätze der Zivilisation vor bewaffneten Konflikten. Die Foundation wurde am 6. Juni 2007 von dem Philanthropen und New York Times-Bestsellerautor Robert M. EdselIn (*1956) in Dallas/Texas gegründet. In den ersten zehn Jahren ihres Bestehens gelang es der Stiftung, die Monuments Men und Women durch Film (u.a. 2014 „The Monuments Men“ von und mit Oscar-Preisträger George Clooney, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Robert M. Edsel), Fernsehen und Bücher weltweit bekannt zu machen, ihre militärischen Verdienste durch die Verleihung der Congressional Gold Medal – der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten – zu würdigen und ihr Vermächtnis durch eine Partnerschaft mit dem National World War II Museum in New Orleans zu bewahren. Dank dieser Partnerschaft konnten Archive und Artefakte der Stiftung Studenten und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zugänglich gemacht werden. Im Oktober 2020 machte das Museum den ersten Spatenstich für seinen Liberation Pavillon, in dem eine Dauerausstellung über die Monuments Men and Women gezeigt werden soll, die erste ihrer Art.

Zu Beginn des zweiten Jahrzehnts ihrer Tätigkeit wird sich die Stiftung nun auf längerfristige Ziele konzentrieren. Neben dem Auffinden und der Rückgabe von Kunstwerken und anderen Kulturgütern an ihre rechtmäßigen Eigentümer wird die Stiftung das Erbe der Monuments Men and Women nutzen, um durch spezielle Programme vornehmlich junge Menschen zu erreichen und sie aufzufordern, die Monuments Men and Women von morgen zu werden.

Mehr Informationen auch unter www.monumentsmenandwomenfnd.org

Sehen Sie hierzu auch einen Fernsehbeitrag von SWR Aktuell vom 28. Juli 2022 sowie von Regio-TV vom 17. August 2022.

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